Pflanzung eines Obstbaums
Vorbereitende Überlegungen
In erster Linie beeinflussen die Standortbedingungen, wie das Klima, Niederschläge, Sonnenstunden und der Boden, das Wachstum der Obstgehölze. In Regionen mit Weinbauklima gedeihen nahezu alle Obstarten. In weniger günstigen Anbaugebieten muß auf frostempfindliche Arten, etwa Pfirsich oder Aprikose, verzichtet werden. Lokalsorten sind besonders in diesen Lagen günstig, da sie an die Standortbedingungen angepaßt sind. Grundsätzlich sind südwestliche Lagen für Obstbäume zu bevorzugen. Talsenken sind zu meiden, da sich dort die Kaltluft sammelt. Die optimale Niederschlagsmenge für Obstgehölze schwankt zwischen 500 mm (Pfirsich und Aprikose) und 700 mm (Apfel, Birne und Zwetsche). Obstbäume bevorzugen ein leicht saures Bodenmillieu mit einem pH-Wert zwischen 5,5 und 6,5. Zu den kritischen Bodeneigenschaften zählen: flachgründige Böden, verdichtete Böden, Sandböden und Staunässe. Landwirtschaftliche Kulturböden sind in der Regel genügend mit Nährstoffen versorgt (vielerorts auch überversorgt), so daß eine Düngung nicht erforderlich ist. Bei schlechter Bodenqualität kann die Erde mit etwas Kompost aufgebessert werden. Um bei der Bodenbeurteilung sicherzugehen, kann eine Bodenanalyse durchgeführt werden (Adressen teilt das Amt für Landwirtschaft mit).
Berücksichtigt werden müssen auch die örtlichen Befruchtungsverhältnisse. Selbstunfruchtbare Obstarten - Äpfel, Birnen, Süßkirschen sowie einige Sauerkirschen und Zwetschen - benötigen zur Ausbildung von Früchten eine entsprechende Befruchtersorte
Kauf des Baumes
Voraussetzung für eine erfolgreiche Obstbaumkultur ist die gute Qualität der Pflanzware. Gesunde und kräftige Obstbäume können vor allem von Baumschulen, die dem Bund deutscher Baumschulen angehören, bezogen werden. Pflanzware, die den strengen Qualitätsrichtlinien entspricht, trägt das Etikett der „Deutschen Markenbaumschulen“. Außerdem erhält man in der Baumschule eine gute Beratung und hat eine große Auswahl. Man sollte lediglich die Baumform (Hoch-, Halbstamm oder Buschbaum) sowie die Edelsorte angeben. Diese Angaben sowie die Unterlage und eine eventuelle Zwischenveredelung sind auf dem Gütesiegel verzeichnet.
Entsprechend der Virusverordnug gibt es das „Gütesiegel Deutscher Markenbaumschulen“ in zwei Variationen:
- Rotes Siegel = virusfreies Material:
ist frei von sämtlichen bisher bekannten Viren - Gelbes Siegel = virusgetestetes Material:
die Pflanzen sind von allen Viren unbelastet,
die Kulturen gefährden können
Bei dem Pflanzgut handelt es sich meistens um wurzelnackte, zweijährige Veredelungen. Halbfertige Ware mit der entsprechenden Wuchshöhe, ohne Kronenansatz, wird als „Heister“ bezeichnet.
Damit die jungen Bäume beim Transport keinen Schaden nehmen, müssen sie fachmännisch vorbereitet werden. So ist es zum Beispiel sinnvoll, die Wurzeln bei einem längeren Transport durch ein feuchtes Ballentuch oder Sackleinen vor Austrocknung zu schützen. Auch die Krone kann verschnürt werden, damit die Triebe nicht abknicken. Ist eine Pflanzung nicht gleich möglich, werden die Bäume leicht schräg eingeschlagen, wobei die Wurzeln mit Erde abgedeckt werden.
Pflanz- und Grenzabstände
Für Obstgehölze im Garten gelten ebenso wie für andere Baumarten bestimmte Mindestabstände. Grundsätzliche Bestimmungen des privaten Nachbarrechts gibt es im Bürgerlichen Gesetzbuch (§§ 910 und 911) bezüglich „Überhang“ und „Überfall“ (überhängende Zweige bzw. hinüberfallende Früchte). Die Grenzabstände für Obstgehölze sind für Hessen im Hessischen Nachbarrechtsgesetz geregelt (die rechtliche Grundlage ist von Bundesland zu Bundesland verschieden).
Gemessen wird der Abstand von der Grenze bis zur Mitte des Stammes. Der Abstand verdoppelt sich, wenn das angrenzende Grundstück weinbaulich, gartenbaulich, kleingärtnerisch oder landwirtschaftlich genutzt wird. Bei Pflanzungen entlang von Straßen und Wegen gelten die Maße für den Abstand und die Höhe (Lichtraumprofil) der Straßenbauverwaltung. Feldwege gehören nicht zum „öffentlichen Wegenetz“, so daß hier der doppelte Grenzabstand einzuhalten ist.
Auch für die Pflanzabstände zwischen den Bäumen gibt es Richtwerte zu den verschiedenen Obstarten.
Pflanzung
Zunächst stellt sich die Frage nach der richtigen Pflanzzeit. Die beste Pflanzzeit ist der Herbst (von Oktober bis November), da eine Herbstpflanzung erfahrungsgemäß schneller anwächst. Das Wurzelwachstum kommt erst unter + 4°C zum Erliegen, so daß der Baum den Winter über bereits anwurzeln kann und im Frühjahr einen besseren Start hat. Eine Frühjahrspflanzung im März ist ebenfalls möglich, aber die Bäume müssen gleichzeitig anwachsen und austreiben. Frost-empfindliche Arten, wie Pfirsich und Aprikose, werden im Frühjahr gepflanzt.
Vor dem eigentlichen Pflanzen muß das Pflanzloch vorbereitet werden. Die Grasnarbe wird abgeschält und ein großzügiges Loch (das Eineinhalbfache des Wurzelvolumens, 50 - 60 cm tief) ausgehoben. Der Boden des Pflanzloches wird zusätzlich gelockert. Ein Teil des Aushubs wird mit Humus in Form von Kompost angereichert und vermischt.
Nachdem der Boden gelockert und vorbereitet ist, wird der Pflanzpfahl eingeschlagen. Dies geschieht vor dem Pflanzen, damit die Wurzeln beim Einschlagen keinen Schaden nehmen. Die Richtung des Pfahles ist von der Windrichtung abhängig. Er wird auf der Seite eingeschlagen, aus der der Wind kommt, damit der Baum vom Pfahl weggedrückt wird. Außerdem darf er nicht in die Krone ragen, da es sonst zu Scheuerschäden kommt.
Der erste Schnitt am Baum ist der Wurzelschnitt. Dabei werden alle verletzten und beschädigten Wurzelteile entfernt. Die etwa fingerdicken Wurzeln können gerade angeschnitten werden. Alle übrigen, feinen Wurzeln bleiben nach Möglichkeit am Baum. Erst jetzt kann der Obstbaum eingepflanzt werden.
Beim Pflanzen ist darauf zu achten, daß die Veredelungsstelle immer über dem Boden verbleibt. Sie sollte etwa eine Handbreit, also ca. 10 cm, über der späteren Erdoberfläche liegen. Verschwindet die Veredelungsstelle im Boden, können sich „Sorteneigene Wurzeln“ bilden, welche ein unkontrolliertes Wachstum verursachen (diese Wurzeln sind immer starkwachsend und würden z. B. das Wuchsverhalten einer schwachen Unterlage unterdrücken). Eine Grundregel besagt, daß ein Baum so tief gesetzt wird, wie er ursprünglich in der Baumschule stand. Jetzt wird das Pflanzloch mit der lockeren Erde gefüllt, und der Baum wird mit reichlich Wasser eingeschlämmt.
So schließen sich die Hohlräume um die Wurzeln, und der Baum kann Wasser und Nährstoffe aufnehmen. Ein Gießrand verhindert, daß Wasser unnötig wegläuft. Zum besseren Halt wird der Baum mit einem Stück Kokosstrick am Pfosten angebunden. Eine einfache Drahthose schützt den Baum vor Wildverbiß. Sie sollte bis unter die Krone ragen und am Pflanzpfahl mit Krampen befestigt werden. Wenn die Fläche mit Weidevieh bestückt werden soll, hat sich zum Schutz der Bäume ein Gestell aus 3 - 4 Pfosten bewährt, die mit Querlatten stabilisiert sind.
Die Kosten für eine Hochstammpflanzung belaufen sich auf ca. DM 100,- (ohne Zuschüsse und öffentliche Förderung).
Formieren der Leitäste
Zunächst werden drei bis vier kräftige Triebe für die Kronenerziehung ausgewählt. Um eine offene und gleichmäßige Krone zu erlangen, kann es im Einzelfall notwendig sein, die Leitäste zu formieren. Dabei werden zu steil stehende Äste mit einem Spreizholz in die richtige Stellung gebracht. Sie sollten mit der Stammverlängerung einen Winkel zwischen 45 und 60 Grad bilden. Als Spreizholz verwendet man einen stabilen Ast, der zumindest auf der einen Seite eine Gabel haben soll. Die andere Seite wird keilförmig angespitzt und eingekerbt, damit sie genügend Halt findet. Die Abspreizung sollte man öfter kontrollieren und dabei auf Rindenschäden achten.
Pflanzschnitt
Der Pflanzschnitt stellt die erste wichtige Erziehungsmaßnahme dar. Mit ihm werden die Leitäste festgelegt, die der Baum sein Leben lang behält. Durch den Rückschnitt wird die Bildung neuer Triebe angeregt. Außerdem soll die Krone in ein Gleichgewicht zur Wurzel gebracht werden. Der richtige Zeitpunkt für den Pflanzschnitt liegt bei Herbstpflanzungen im darauffolgenden Spätwinter/Frühjahr. Frühjahrspflanzungen werden unmittelbar nach dem Pflanzen geschnitten. Bei einer zweijährigen Veredelung ist die Stammhöhe bereits festgelegt, und die Krone besteht aus 3 - 5 Trieben. Bei einjährigen Bäumen wird mit dem Pflanzschnitt die Stammhöhe festgelegt. Der Pflanzschnitt hat Einfluß auf die Kronenform (Pyramidenkrone, Tellerkrone oder Hohlkrone).
Nachdem die Leitäste (in jede Himmelsrichtung ein Ast) festgelegt und eventuell abgespreizt sind, werden sie um etwa ein Drittel eingekürzt. Die Triebe werden auf die sogenannte Saftwaage und auf ein nach außen zeigendes Auge (Knospe) zurückgeschnitten. Dabei gibt der schwächste Trieb die Höhe des Anschnittes vor (auf seine Höhe werden die anderen Leitäste gebracht). Wenn sich die jeweils obersten Knospen auf gleicher Höhe - also in der Saftwaage - befinden, werden die Knospen gleich viel mit Pflanzensaft versorgt, und der Zuwachs erfolgt an jedem Ast gleichmäßig. Die Schnittfläche soll leicht schräg von der Knospenspitze zur Basis verlaufen.
Zur Erziehung einer Pyramidenkrone wird die Stammverlängerung etwa 10 cm oder eine Scherenlänge höher (auf ein nach innen zeigendes Auge) als die Leitäste angeschnitten. Das hat zur Folge, daß sich im Laufe der Jahre eine zweite Leitastebene über der ersten bildet. Will man eine flache, ausladende Krone erziehen, so muß auch der Mitteltrieb auf die Saftwaage zurück-geschnitten werden. Häufig ist neben dem Mitteltrieb noch ein zweiter starker Trieb, der so-genannte Konkurrenztrieb, vorhanden. Dieser wird an der Astbasis entfernt, da er sonst in Konkurrenz zur Stammverlängerung steht. Seitentriebe, die keine Konkurrenz darstellen und nicht nach innen wachsen, können ungeschnitten am Baum belassen werden. Sie bilden die ersten Fruchtruten, sofern sie nicht angeschnitten sind, und fördern durch die Blattbildung das Anwachsen.
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